Antrag des Einstein-Teleskops für europäische Roadmap eingereicht

graphic of the einstein telescope
Geschrieben von Martine

Am 9. September hat die italienische Regierung einen Antrag auf Aufnahme des Einstein-Teleskops in die europäische Roadmap für große Forschungsinfrastrukturen eingereicht. Die Regierungen von Belgien, den Niederlanden, Polen und Spanien unterstützen den Antrag. Die Aufnahme in die ESFRI-Roadmap würde die große Bedeutung des Einstein-Teleskops für Europa anerkennen.

Wissenschaftler aus 41 Forschungsinstituten in 10 verschiedenen Ländern haben den Antrag gemeinsam vorbereitet. Obwohl Italien den Antrag eingereicht hat, bedeutet dies nicht, dass die Infrastruktur in Italien angesiedelt sein wird. Derzeit gibt es zwei potenzielle Standorte: Sardinien und das Grenzgebiet von Belgien, Deutschland und den Niederlanden (Euregio Maas-Rhein). Beide potenziellen Standorte werden im Antrag erwähnt.

Die neue ESFRI-Roadmap wird im Oktober oder November 2021 veröffentlicht. Wenn das Einstein-Teleskop dann den ESFRI-Status erhält, müssen die Regierungen entscheiden, ob sie sich um den Standort der Infrastruktur bewerben. Dies wird voraussichtlich um das Jahr 2023 geschehen. Die Entscheidung über den Standort wird innerhalb der nächsten 5 Jahre getroffen werden.

Wichtiger Meilenstein

Professor Andreas Freise arbeitet an dem technischen Design des Einstein-Teleskops und ist begeistert. „Der ESFRI-Antrag markiert den Moment, in dem wir die Begeisterung und Unterstützung unseres Projekts durch andere formalisieren. Zum Beispiel die politische Unterstützung durch fünf europäische Regierungen und das starke Interesse der lokalen Regionen, in denen das Einstein-Teleskop gebaut werden könnte.

Professor Frank Linde bestätigt dies: „Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Zusammenarbeit beim Bau des Einstein-Teleskops. Und er erläutert die nächsten Schritte: „Meine Kollegen und ich werden weiterhin hart daran arbeiten, die optimale Einbettung des Einstein-Teleskops in der Euregio Maas-Rhein zu finden. Wir wenden uns auch an potenzielle Industriepartner, um gemeinsam die anspruchsvollsten technologischen Innovationen zu entwickeln. Und dann werden wir hoffentlich im Jahr 2024 ein hervorragendes Bid-Book für die Aufnahme des Einstein-Teleskops vorlegen“.

Ein neues Fenster zum Universum

Forscher entdeckten Gravitationswellen zum ersten Mal im Jahr 2015. Ihre Entdeckung ermöglicht eine völlig neue Art, das Universum zu untersuchen, und eröffnet der Physik und Astronomie ein neues Forschungsgebiet. Das Einstein-Teleskop wird wesentlich empfindlicher sein als die bisherigen Gravitationswellendetektoren. Daher wird das Observatorium den Wissenschaftlern zum ersten Mal einen Blick in die „dunklen Zeiten“ des Universums ermöglichen, sogar bis zum Urknall zurück.

graphic of the einstein telescope
 Das Einstein-Teleskop ist ein zukünftiges Gravitationswellen-Observatorium. Es ist als Dreieck aus 10 km langen Tunneln konzipiert die sich  200-300 m unter der Erde befinden.

Vorbereitungen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden

Viele Forschungsinstitute, Regierungen und Unternehmen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden sind bereits beteiligt. Sie erforschen den Untergrund, arbeiten an den technologischen Herausforderungen und erforschen die wirtschaftlichen Auswirkungen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt bereits, dass der Untergrund der Euregio Maas-Rhein für das Einstein-Teleskop „ruhig genug“ ist. Das Observatorium kann auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile für die Euregio haben. Und das Interesse der Industrie an einer Zusammenarbeit ist groß: Nicht weniger als 51 verschiedene Unternehmen haben an den jüngsten Webinaren über technologische Herausforderungen teilgenommen. Detailliertere geologische Studien, technologische Innovationen und andere Vorbereitungen sind schon gestartet worden. Ein Teil dieser Aktivitäten wird in den Projekten ETpathfinder und E-TEST durchgeführt. Ein Projekt zur weiteren Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie ist derzeit in Vorbereitung.